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5. März 2011 6 05 /03 /März /2011 13:54

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

ich hoffe, Sie haben den vorhergehenden Artikel über das "Fluchen auf Bayrisch" als das erkannt, was er ist, nämlich als einen Faschingsscherz. Und so ein "Du Depp, du damischer", das man mit einem wütenden und einem lachenden Auge seinem Gegenüber hinfaucht, ist jetzt nicht gerade ein Fluch, der einem über mehrere Inkarnationen hin beschäftigt und verfolgt. Alleine die Tatsache, dass so ein bayrischer Fluch ein sprachlicher Hochgenuß ist, nimmt dem Fluch die verletzende Spitze. Da bin ich nicht in dem Fluch gefangen, sondern in einer heilsamen Distanz dazu. Ja, ich fluche mit einer regelrechten Lust, aber es ist auch lustig und nicht bitterer Ernst.
Oder wie ist Ihnen, liebe/r Leser/in zumute, wenn Sie Haindlings Songtext „Du Depp“ lautstark rezitieren. Mich biegt es da vor Lachen.

 

Du Depp, du Depp, du Depp, du depperta Depp du, du depperta Depp du, Depp du, schau di doch o!
Du Depp, du Depp, du Depp, du depperta Depp du, du depperta Depp du, Depp du, schau di doch o!

Von hundert Meter ko ma scho erkenna, da kimmt a Depp daher!
Von weitem scho kon a jeder sehng, des is a Depp!
Von hundert Meter ko ma schon erkenna, schau hie, da kimmt a Depp daher!
Von weitem sigt a jeder Depp: oh, des is a Depp!

  

Flüche, denen diese heilsame Distanz fehlt und die aus tiefster Überzeugung jemandem an den Hals gehetzt werden und dem anderen willentlich einen Schaden zufügen, die sind alles andere als ein Scherz. Solche Flüche haben es in sich und sie kommen auf einen zurück. Das kann dann zu massiven Problemen führen, sei es dass man krank wird, dass die Finanzen den Bach runter gehen oder die Kinder, die man sich sehnlichst wünscht, nicht auf die Welt kommen. Da kann z.B. eine Verfluchung dahinterstehen, die sich auf Gesundheit, Reichtum und die Nachkommenschaft bezieht. Und das ist gar nicht mal so selten.

 

Flüche, Verwünschungen Schadzauber und andere "Nettigkeiten" wurden und werden in der Regel in Situationen ausgesprochen, in denen man sich so in Bedrängnis fühlt, dass man glaubt, keine andere Wahl zu haben, als sich durch einen Fluch zur Wehr zu setzen. Ein Mensch, der z.B. in einer Situation der Folter, einen Fluch ausstößt gegenüber seinen Peinigern - ehrlich gesagt, ich kann das nachvollziehen. Ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage, denn auch so ein Fluch kommt auf einen zurück, wenn er nicht aufgelöst wird.

 

Manchen Menschen ist das Verfluchen und Verwünschen jedoch so selbstverständlich geworden, dass sie auch dann jemandem die Pest an den Hals wünschen, wenn es sich um keine Notsituation handelt, sondern eine Situation einfach nicht nach ihren Wünschen verläuft. Und da wird es nach meinem Verständnis so richtig problematisch. Warum?

Ganz einfach: Das ist Manipulation pur, das ist schwarze Magie und nichts anderes. Und, abgesehen von der nicht gerade liebevollen Haltung gegenüber anderen Menschen, es ist eine ziemlich uneffektive Art und Weise, sich aus der Affäre zu ziehen. Man stellt sich nicht dem Problem, sondern "löst" es durch eine Verfluchung/Verwünschung. Die vermeintliche "Lösung" hat dann oft den Charakter von Sich-rächen.

"Der hat ja nichts anderes verdient. Hätte er mich besser behandelt, dann hätte ich ihm nicht die Pest an den Hals gewünscht."

 

So einer Einstellung liegen nach meiner Einschätzung sehr viele Missverständnisse zu Grunde.

1. Eine ungewollte Situation, die uns im Außen begegnet, macht uns immer auf etwas aufmerksam, das im Inneren gelöst werden will. "Löse" ich das Problem über eine Verwünschung/Verfluchung, dann schiebe ich es weg und füge dem anderen auch noch einen Schaden zu.

 

Beispiel: Ich möchte gerne etwas erreichen, es wird aber jemand anderer statt meiner vorgezogen.

Hier wäre es sinnvoll, sich zu fragen, warum ich das nicht bekommen habe, was ich gerne wollte.

Es kann sein, dass ich einfach noch nicht weit genug bin,

dass ich Geduld lernen sollte,

dass ich mir meinen Ehrgeiz anschauen sollte,

dass es um das Thema Neid geht und ... und ... und ... .

Vielleicht geht es schlichtweg um meinen Egoismus? Wer weiß?

Da gibt es eine Menge an Themen, um die es gehen könnte.

Schalte ich meinen Konkurrenten jetzt durch eine Verwünschung/Verfluchung aus, na ja, dann bekomme ich vielleicht das, was ich will, weil der andere „rechtzeitig“ krank wird, aber mein Problem habe ich dadurch nicht wirklich gelöst. Im Gegenteil, ich habe mich so richtig hinein verstrickt und gleich auch noch jemand anderen dazu. Auf diese Weise wird das Marschgepäck für das Leben so richtig schwer. Nicht wirklich eine sinnvolle Strategie!

 

2. „Der hat es nicht anders verdient“ – das ist ein ganz problematischer Satz. Dahinter steht eine Haltung von „Aug´um Aug´und Zahn um Zahn“ und es geht um Selbstjustiz, besser gesagt um Selbstgerechtigkeit.

„Ich sorge dafür, dass der seine gerechte Strafe bekommt“.

Ich spiele mich hier als Richter über den anderen auf.
Wie komme ich dazu?
Was berechtigt mich, dass ich den anderen ver-ur-teile?

In ver-ur-teilen steckt das Verb „teilen“ mit drin. Das bedeutet noch mehr Zerstückelung und Verstrickung. Und das Zerteilen ist das Prinzip des EGOs. Unser höheres Selbst will das nicht, das will uns zur Einheit zurückführen.

Was hier ganz außer Acht bleibt, ist die Tatsache, dass eine unangenehme Situation mich vielleicht zum Nachdenken bringen will. Es kann schon sein, dass mein Gegenüber oberflächlich betrachtet ein „gemeiner“ Mensch ist, der mich „ungerecht“ behandelt.

Aber was steckt denn wirklich dahinter?

Was will mir diese Situation denn sagen?

Begegne ich da einem Thema, das mich angeht, aber das ich nach außen hin verschiebe, weil ich es in mir nicht anschauen will?

Dann hätte ich eine kostbare Chance zum Lernen verpasst. Das wäre sehr schade!

 

3. Verwünschungen, Verfluchungen und was es da sonst noch an „Nettigkeiten“ gibt, das alles ist mit dunkeln Energien verbunden. Es zieht mich im wahren Sinn des Wortes runter, hält mich in der Dualität und in dem Drama von Tod und Wiedergeburt fest. Das Leben wird dadurch schwer und dunkel.

Ich persönlich bin der Meinung, dass wir Menschen uns lange genug in solche dunklen Dramen verstrickt haben. Das Leben ist dadurch nicht leichter geworden, sondern immer schwerer und unerbittlicher. Hass, Krankheiten, Aggressionen bis hin zu Kriegen sind die Folge davon gewesen.

Ich sage ganz bewusst und deutlich: gewesen. Denn ich glaube, jetzt ist es an der Zeit, sich von solchen Strategien schnellstens zu verabschieden und sich ehrlich und aufrichtig mit sich selber auseinander zu setzen.

Ich glaube, dazu sind wir in dieser Zeit alle aufgefordert. Und ich kann nur sagen: Es lohnt sich. Wir dürfen es uns  selber wert sein, dass wir alles Dunkle auflösen und zu den Wesen werden, die wir eigentlich sind, zu lichtvollen Wesen, die liebevoll mit sich selber und mit den Mitmenschen umgehen.

 

 

 

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