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13. Januar 2011 4 13 /01 /Januar /2011 09:06

Die Vergebung ist nach meiner bzw. unserer Erfahrung eine der wichtigsten Stationen im Transformationsprozess.

Was ist das eigentlich, die Vergebung? Wer vergibt hier wem? 

 

Schauen wir uns das mal am Beispiel von Täter und Opfer an.

In unserer Alltagsvorstellung gehen wir in der Regel davon aus, dass der Täter Schuld auf sich geladen hat, die es zu sühnen gilt. Der Täter hat sich beim Opfer zu entschuldigen und das Opfer kann nach einer entsprechenden Entschädigung dem Täter - vielleicht - vergeben.

Dahinter stehen die Konzepte von Dualität und Schuld. Danach ist zwischen Täter und Opfer klar zu trennen. Beide haben nichts miteinander zu tun. Der eine ist schuldig, der andere unschuldig. 

Tja, in unserer Alltagsvorstellung hätten wir das gerne so. Nur leider befürchte ich, dass wir damit haarscharf am Thema vorbeischießen.

Und warum jetzt das?

 

Vielleicht kennen Sie, liebe/r  Leser/in, den Ansatz des hawaiianischen Schamanismus, wie er von dem Arzt Dr. Len vertreten wird. Dr. Lens Arbeit ist als "Hooponopono" bekannt geworden. In SpiritualWiki gibt es hierzu einen guten Artikel.

 

Auf den Punkt gebracht, geht es darum, dass alles, was in meiner Welt geschieht, mit mir selber zu tun hat und dass ich dafür die ganze Verantwortung trage. Das ist so, weil alles mit allem verbunden ist und ich und die Welt nicht wirklich voneinander getrennt sind. Im übrigen geht auch der Buddhismus von der selben Grundannahme aus. Da würde man sagen, dass Subjekt und Objekt eins sind. Es existiert das Subjekt nicht ohne das Objekt und umgekehrt. Beide sind die zwei Seiten derselben Medaille.

Auf unser Opfer-Täter-Beispiel bezogen heißt das: Das Opfer existiert nicht ohne den Täter und der Täter nicht ohne das Opfer.

 

Als theoretische Aussage mag das ja ganz einleuchtend sein, also rein philosophosch gesehen, aber konkret ... ? Macht schon etwas Magenschmerzen?

Konkret besagt das, dass ich als Opfer nicht vom Täter getrennt bin und umgekehrt. Wir beide erschaffen uns gegenseitig.

Und damit wären wir bei des Pudels Kern. Und genau darum geht es bei der Vergebung.

 

Ja, dieser Zusammenhang ist erst einmal starker Tobak. Denn es bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass ich selber ebenso für das Täter- wie für das Opfersein Verantwortung trage.

Vor diesem Hintergrund ist Vergebung aber nicht mehr das, was wir im Alltag so gerne hätten. Es geht eben nicht darum, dass sich der Täter als der Schuldige beim Opfer entschuldigt und das unschuldige Opfer dem Täter vergibt. Vor diesem Hintergrund verschwindet der Begriff "Schuld". Beide, Opfer wie Täter, sind aufgefordert, den anderen um Vergebung zu bitten und zwar dafür, dass sie ihn so und nicht anders geschaffen haben. Und das Opfer wartet nicht erst, bis der Täter den ersten Schritt tut. Es übt Verbegung von sich aus.

 

Jede wirkliche Vergebungsarbeit beruht demnach darauf, dass ich sage und vor allem fühle:
Was geschehen ist, tut mir leid.

Ich bitte alle Beteiligten um Vergebung dafür, dass ich sie als Mitspieler in meinem Drama geschaffen habe.

Ich liebe euch.

Ich vergebe mir selbst, dass ich diese Situation geschaffen habe.

Ich liebe mich.

 

Dass diese Arbeit nicht gerade Zuckerschlecken ist, leuchtet sicherlich sofort ein. Das Ego steht schon auf der Matte und brüllt laut: "Was, ich soll den um Verbegung bitten, weil er mir was angetan hat??? Das ist ja noch schöner!" Oder es kommt ein Satz wie "Ich hab das doch gar nicht nötig! Der Andere ist schuld!!! Ich bin gut, der andere schlecht!" Und ... und ... und ... .

Aus der Sicht des Egos und der Trennung heraus stimmt das ja auch. Nicht jedoch aus der Sicht der Einheit zwischen Subjekt = Ich und Objekt = Du.

Und dahin bewegt sich meine Erfahrung immer mehr.

 

Ich beobachte täglich, dass gerade dieser Prozess der Vegebung, in dem ich für alles, was mir begegnet die volle Verantwortung übernehme, für jede Transformation ein ganz wichtiger Faktor ist. Und ich habe auch festgestellt: Kommt der Transformationsprozess ins Stocken, liegt es ganz häufig daran, dass Vergebungsarbeit angesagt ist.  

 

Und so kann ich nur jedem Mut machen, sich in der Vergebung zu üben. Es ist ein lohnender Lernprozess. Anfangs mag es noch schwierig sein, aber es lohnt sich! Auch wenn es manchmal sehr, sehr schwer fällt... .

 

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Published by Die Quantlerin - in Vergebungsarbeit
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Maria Elisabeth Bartl

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weitere Informationen:
www.transcensus.de

 

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